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Rede von US-Präsident Barack Obama vor dem ghanaischen Parlament

Accra International Conference Center, Accra, Ghana
7. Juli 2009


Accra, Ghana – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Präsident Barack Obama am 11. Juli 2009 vor dem ghanaischen Parlament hielt.

Das gefällt mir. Vielen Dank. Danke. Ich glaube, der Kongress könnte so eine Trompete gebrauchen. Das hört sich ziemlich gut an. Hört sich an wie Louis Armstrong.

Guten Tag, allerseits. Es ist mir eine große Ehre, hier in Accra zu den Vertretern des ghanaischen Volkes zu sprechen. Ich bin zutiefst dankbar dafür, wie man mich hier willkommen geheißen hat, ebenso wie Michelle, Malia und Sasha Obama. Ghana hat eine reiche Geschichte, die Bande zwischen unseren beiden Ländern sind stark und ich bin stolz, dass dies mein erster Besuch als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Afrika südlich der Sahara ist.

Ich danke der Sprecherin und allen Mitgliedern des Repräsentantenhauses, dass Sie uns heute hier empfangen. Ich möchte Präsident Mills für seine hervorragende Führungsstärke danken. Den früheren Präsidenten – Jerry Rawlings und dem ehemaligen Präsidenten Kufuor –, dem Vizepräsidenten und dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofes: Vielen Dank an Sie alle für Ihre außerordentliche Gastfreundschaft und die wunderbaren Institutionen, die Sie hier in Ghana aufgebaut haben.

Ich spreche heute am Ende einer langen Reise zu Ihnen. Sie begann in Russland mit einem Gipfeltreffen zweier Großmächte. Dann reiste ich nach Italien zu einer Konferenz der führenden Volkswirtschaften der Welt. Und hierher, nach Ghana, bin ich aus einem einfachen Grund gekommen: Das 21. Jahrhundert wird nicht nur von den Ereignissen in Rom, Moskau oder Washington geprägt werden, sondern auch von dem, was in Accra geschieht.

Das ist die einfache Wahrheit einer Zeit, in der die Verbindungen zwischen Menschen und Völkern Grenzen verschwinden lassen. Ihr Wohlstand kann den Wohlstand der Vereinigten Staaten vergrößern. Ihre Gesundheit und Sicherheit können zur Gesundheit und Sicherheit der ganzen Welt beitragen. Und die Stärke Ihrer Demokratie kann dabei helfen, die Menschenrechte überall auf der Welt zu stärken.

Ich sehe daher die Länder und Menschen Afrikas nicht als eine andere Welt; ich betrachte Afrika als einen grundlegenden Teil unserer eng verflochtenen Welt, als Partner der Vereinigten Staaten im Namen der Zukunft, die wir uns für all unsere Kinder wünschen. Diese Partnerschaft muss auf gegenseitige Verantwortung und gegenseitigen Respekt gründen. Und darüber möchte ich heute mit Ihnen sprechen.

Wir müssen von der einfachen Prämisse ausgehen, dass die Zukunft Afrikas in den Händen der Afrikaner liegt.

Ich sage das in vollem Bewusstsein darüber, welche Tragik diesen Teil der Welt in der Vergangenheit manchmal heimgesucht hat. Denn es fließt das Blut Afrikas in meinen Adern, und die Geschichte meiner eigenen Familie schließt Tragödien wie Triumphe der umfassenden afrikanischen Geschichte mit ein.

Einige unter Ihnen wissen, dass mein Großvater in Kenia für die Briten als Koch gearbeitet hat, und obwohl er ein angesehener Dorfältester war, blieb er für seine Arbeitgeber fast sein Leben lang ein "Boy". Er war nur am Rande in die kenianischen Freiheitskämpfe verwickelt, war aber in den Zeiten der Unterdrückung dennoch kurz in Haft. Für sein Leben bedeutete der Kolonialismus nicht einfach die Schaffung unnatürlicher Grenzen oder unfairer Handelsbedingungen – er war eine persönliche Erfahrung, Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Mein Vater wuchs als Ziegenhirte in einem kleinen Dorf auf, unvorstellbar weit entfernt von den amerikanischen Universitäten, an denen er später seine Ausbildung absolvieren sollte. Er wurde zu einer für Afrika außerordentlich viel versprechenden Zeit erwachsen. Die Kämpfe der Generation seines eigenen Vaters hatten – von hier, von Ghana ausgehend – neue Staaten hervorgebracht. Die Afrikaner begannen, sich auf ganz neue Art und Weise zu bilden und selbst wahrzunehmen, und die Geschichte geriet in Bewegung.

Doch trotz des erreichten Fortschritts – und in vielen Teilen Afrikas ist er bemerkenswert – wissen wir auch, dass ein großer Teil der Hoffnungen sich noch nicht erfüllt hat. Als ich geboren wurde, hatten Länder wie Kenia eine größere Pro-Kopf-Wirtschaftskraft als Südkorea. Sie wurden massiv überholt. Krankheiten und Konflikte haben Teile des afrikanischen Kontinents verwüstet.

Vielerorts ist die Hoffnung der Generation meines Vaters dem Zynismus oder sogar der Verzweiflung gewichen. Nun ist es einfach, die Schuld an diesen Problemen auf andere zu schieben. In der Tat trugen die wenig sinnvollen kolonialen Grenzen ihren Teil dazu bei, Konflikte zu schüren. Der Westen begegnete Afrika häufiger als Gönner oder Ressourcenquelle denn als Partner. Aber der Westen ist nicht verantwortlich für die Zerstörung der zimbabwischen Wirtschaft der letzten zehn Jahre oder für Kriege, in denen Kinder als Soldaten dienen müssen. Im Leben meines Vaters standen Tribalismus, Klüngel und Vetternwirtschaft in einem unabhängigen Kenia über lange Zeit seiner Karriere im Weg, und wir wissen, dass diese Formen der Korruption noch immer täglicher Bestandteil des Lebens viel zu vieler Menschen sind.

Aber wir wissen auch, dass das nicht alles ist. Hier in Ghana haben Sie uns ein Gesicht Afrikas gezeigt, das von einer Weltöffentlichkeit, die nur Tragödien und Hilfsaufrufe wahrnimmt, viel zu oft übersehen wird. Die Menschen in Ghana haben schwer gearbeitet, um ein solideres Fundament für die Demokratie zu schaffen, mit wiederholten, friedlichen Machtwechseln, selbst nach hart umkämpften Wahlen. Und es sei angemerkt, dass die Minderheit dafür genauso viel Anerkennung verdient wie die Mehrheit. Mit einer verbesserten Regierungsführung und dem Aufkommen der Zivilgesellschaft hat die ghanaische Wirtschaft eindrucksvolle Wachstumsraten erzielt.

Dieser Fortschritt mag nicht von solcher Dramatik gekennzeichnet sein wie die Freiheitskämpfe des 20. Jahrhunderts; aber täuschen Sie sich nicht: Er wird letztlich von noch größerer Bedeutung sein. Denn ebenso, wie es wichtig ist, aus der Herrschaft anderer Staaten entlassen zu werden, ist es sogar noch wichtiger, sein Land selbst aufzubauen.

Ich glaube daher, dass dieser Moment genauso viel versprechend für Ghana und Afrika ist wie die Zeit, als mein Vater erwachsen wurde und neue Staaten entstanden. Dies ist eine Zeit großer Verheißungen. Nur wissen wir diesmal, dass es keine Giganten wie Nkrumah und Kenyatta sein werden, die die Zukunft Afrikas bestimmen werden. Stattdessen werden Sie es sein – die Frauen und Männer im ghanaischen Parlament und die Menschen, die Sie vertreten. Es werden die jungen Menschen sein, die vor Talent, Tatkraft und Hoffnung nur so strotzen und die eine Zukunft gestalten können, die so viele frühere Generationen nicht wahr gemacht haben.

Um dieses Hoffnungen einzulösen müssen wir aber erst die grundlegende Wahrheit anerkennen, die Sie ihn Ghana geschaffen haben: Entwicklung ist abhängig von guter Regierungsführung. Das ist die Zutat, an der es schon viel zu lange und viel zu oft fehlt. Das ist die Veränderung, die Afrikas Potenzial freisetzen kann. Und das ist eine Verantwortung, die nur von Afrikanern wahrgenommen werden kann.

Was die Vereinigten Staaten und den Westen betrifft – unser Engagement sollte an mehr als nur den Dollars gemessen werden, die wir investieren. Ich habe eine substanzielle Steigerung unserer Auslandshilfe versprochen, die in afrikanischem wie auch in amerikanischem Interesse ist. Aber ein echtes Zeichen für Erfolg ist nicht, ob wir ein ewiger Quell der Unterstützung sind, der den Menschen hilft, über die Runden zu kommen – sondern ob wir partnerschaftlich die Kapazitäten für grundlegenden Wandel schaffen.

Diese gegenseitige Verantwortung muss die Basis unserer Partnerschaft bilden. Und heute werde ich mich auf vier Bereiche konzentrieren, die für die Zukunft Afrikas und aller Entwicklungsländer von entscheidender Bedeutung sind: Demokratie, Chancen, Gesundheit und die friedliche Lösung von Konflikten.

Zunächst einmal müssen wir starke und nachhaltige demokratische Regierungen unterstützen.

Wie ich schon in Kairo sagte haucht jede Nation der Demokratie auf ihre Weise und im Einklang mit ihren eigenen Traditionen Leben ein. Aber die Geschichte hat ein klares Urteil gefällt: Regierungen, die den Willen der Bevölkerung ihres Landes respektieren, durch Konsens und nicht durch Zwang regieren, gedeihen besser, bestehen länger und sind erfolgreicher als Regierungen, die das nicht tun.

Dabei geht es um mehr als nur das Abhalten von Wahlen. Es geht auch um das, was zwischen den Wahlen passiert. Unterdrückung hat viele Gesichter, und zu viele Staaten, sogar solche, in denen es Wahlen gibt, werden von Problemen geplagt, die die Menschen zu einem Leben in Armut verdammen. Kein Land kann Wohlstand schaffen, solange seine politischen Führer die Wirtschaft ausbeuten um sich selbst zu bereichern oder die Polizei für Drogenhändler käuflich ist. Kein Unternehmen wird an einem Ort investieren, wo die Regierung 20 Prozent der Gewinne abschöpft oder der Chef der Hafenbehörde bestechlich ist. Niemand möchte in einer Gesellschaft leben, in der die Rechtsstaatlichkeit vor Brutalität und Bestechung zurückweicht. Das ist nicht Demokratie, sondern Tyrannei, auch wenn zwischendurch gelegentlich Wahlen eingestreut werden. Und jetzt ist es an der Zeit, mit diesem Regierungsstil Schluss zu machen.

Im 21. Jahrhundert sind kompetente, verlässliche und transparente Institutionen der Schlüssel zum Erfolg: starke Parlamente, ehrliche Polizeikräfte, unabhängige Richter, eine unabhängige Presse, ein dynamischer Privatsektor, die Zivilgesellschaft. Das sind die Dinge, die Demokratie lebendig machen, denn darauf kommt es im Alltag der Menschen an.

Nun haben die Ghanaer immer wieder den Rechtsstaat der Autokratie vorgezogen und einen Sinn für Demokratie bewiesen, der es den Menschen erlaubt hat, ihre Energie freizusetzen. Wir sehen das an Staatschefs, die Niederlagen mit Würde tragen – die Tatsache, dass die Gegner von Präsident Mills gestern Abend neben ihm standen, um mich zu begrüßen, als ich aus dem Flugzeug stieg, sprach Bände über Ghana – und an Siegern, die Aufrufen widerstehen, auf unfaire Weise gegen die Opposition aufzuwiegeln. Dieser Geist zeigt sich in couragierten Journalisten wie Anas Aremeyaw Anas, der sein Leben aufs Spiel setzte, um die Wahrheit zu berichten. Wir sehen ihn in Polizisten wie Patience Quaye, der dabei half, erstmals einen Menschenhändler in Ghana vor Gericht zu bringen. Wir sehen ihn in den jungen Menschen, die sich gegen Nepotismus erheben und sich in den politischen Prozess einbringen.

Überall in Afrika kennen wir zahllose Beispiele von Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und Veränderungen von unten nach oben bewirken. Wir erlebten in Kenia, wie Zivilgesellschaft und Unternehmen sich zusammentaten, um der Gewalt nach den Wahlen ein Ende zu bereiten. Wir erlebten, wie in Südafrika über drei Viertel der Bevölkerung an der letzten Wahl teilnahmen – der vierten seit dem Ende der Apartheid. Wir erlebten in Simbabwe, wie das Election Support Network brutalen Repressionen trotzte und für das heilige Recht der Menschen auf ihre Wählerstimme kämpfte.

Seien Sie versichert: Die Geschichte steht auf der Seite dieser mutigen Afrikaner, nicht auf der Seite derer, die Staatsstreiche oder Verfassungsänderungen brauchen, um an der Macht zu bleiben. Afrika braucht keine starken Männer, es braucht starke Institutionen.

Die Vereinigten Staaten werden nicht versuchen, irgendeiner anderen Nation ein Regierungssystem aufzuzwingen. Die grundlegende Wahrheit der Demokratie ist, dass jede Nation ihr eigenes Schicksal bestimmt. Aber die Vereinigten Staaten werden ihre Hilfe für verantwortungsbewusste Einzelpersonen und Institutionen erhöhen und dabei einen Schwerpunkt auf die Unterstützung guter Regierungsführung legen: Parlamente, die Machtmissbrauch nachgehen und sicherstellen, dass die Stimme der Opposition gehört wird; Rechtsstaatlichkeit, die die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert; die Partizipation der Bürger, um junge Leute zu involvieren; konkrete Lösungen gegen Korruption wie Wirtschaftsprüfungsmaßnahmen; die Automatisierung von Diensten und die Ausweitung von Notruflinien, die Informanten, die sich für Transparenz und Rechenschaftspflicht einsetzen, schützen.

Und wir bieten diese Unterstützung. Ich habe meine Regierung angewiesen, in unserem Menschenrechtsbericht ein stärkeres Augenmerk auf Korruption zu legen. Menschen überall auf der Welt sollten das Recht haben, ein Unternehmen zu gründen oder Bildung zu erhalten, ohne dafür Schmiergeld zahlen zu müssen. Es liegt in unserer Verantwortung, diejenigen zu unterstützen, die verantwortungsvoll handeln und diejenigen, die das nicht tun, zu isolieren – und genau das werden die Vereinigten Staaten tun.

Das führt mich direkt zum zweiten Bereich unserer Partnerschaft. Die Unterstützung einer Entwicklung, die Chancen für mehr Menschen schafft.

Ich zweifle nicht daran, dass Afrika mit einer besseren Regierungsführung die Hoffnung auf eine breitere Basis für Wohlstand erfüllen kann. Betrachten Sie einmal den außerordentlichen Erfolg von Afrikanern in meinem Land, den Vereinigten Staaten. Denen geht es sehr gut. Sie haben also Talent und Unternehmergeist. Die Frage ist, wie können wir sicherstellen, dass sie hier, in ihren Heimatländern, erfolgreich sind? Dieser Kontinent ist reich an natürlichen Ressourcen. Und von Mobilfunkunternehmern bis hin zu kleinen Bauern haben Afrikaner gezeigt, mit welchen Fähigkeiten und welchem Engagement sie für sich selbst Chancen schaffen können. Aber es müssen auch alte Gewohnheiten aufgegeben werden. Die Abhängigkeit von Waren – oder von einem einzigen Exportgut – kann dazu führen, dass Reichtum sich in den Händen einiger Weniger konzentriert und die Menschen Konjunkturabschwüngen schutzlos ausgeliefert sind.

So bringt beispielsweise das Öl in Ghana große Chancen mit sich, und Sie haben sich sehr gewissenhaft auf diese neue Einnahmequelle vorbereitet. Aber wie viele Ghanaer wissen, kann das Öl nicht einfach der neue Kakao werden. Von Südkorea bis Singapur hat die Geschichte gezeigt, dass Länder florieren, die in ihre Bevölkerung und ihre Infrastruktur investieren – durch Förderung vielfältiger Exportindustrien, die Entwicklung einer ausgebildeten Arbeiterschaft und die Schaffung von Raum für kleine und mittelständische Betriebe, die Arbeitsplätze schaffen.

Wenn die Afrikaner nach dieser Hoffnung greifen, werden wir, die Vereinigten Staaten, ihnen noch verantwortungsvoller die Hand reichen. Durch das Senken von Kosten für westliche Berater und für Verwaltung möchten wir denjenigen mehr Ressourcen in die Hand geben, die sie brauchen und den Menschen gleichzeitig beibringen, mehr für sich selbst zu tun. Deshalb konzentriert sich unsere 3,5 Milliarden Dollar schwere Initiative für Nahrungssicherung auf neue Methoden und Technologien für Bauern und nicht nur darauf, amerikanische Hersteller oder Waren nach Afrika zu schicken. Hilfe dient keinem Selbstzweck. Der Zweck von Auslandshilfe muss sein, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die sie schließlich überflüssig machen. Ich möchte nicht nur sehen, dass die Menschen in Ghana sich mit Nahrung selbst versorgen können – ich möchte sehen, wie Sie Nahrung in andere Länder exportieren und damit Geld verdienen. Und das können Sie.

Nun können die Vereinigten Staaten auch mehr tun, um Handel und Investitionen zu fördern. Wir wohlhabenden Staaten müssen unsere Tore auf sinnvolle Weise für Waren und Dienstleistungen aus Afrika öffnen. Darum wird sich meine Regierung bemühen. Und wo gute Regierungsführung gewährleistet ist, können wir den Wohlstand ausweiten: durch öffentlich-private Partnerschaften, die in bessere Straßen und Elektrizität investieren, durch Trainingsmaßnahmen, die Menschen darin schulen, wie man ein Unternehmen führt und durch Finanzdienstleistungen, die nicht nur die Städte, sondern auch arme und ländliche Gegenden erreichen. Das ist auch in unserem eigenen Interesse – denn wenn die Menschen aus der Armut befreit werden und in Afrika Wohlstand entsteht, was glauben Sie, was dann passiert? Es würden neue Märkte für unsere eigenen Waren entstehen. Das ist also gut für beide Seiten.

Ein Bereich, von dem sowohl eine unbestreitbare Gefahr, aber auch sehr viel Hoffnung ausgeht, ist die Energie. Afrika verursacht einen geringeren Ausstoß von Treibhausgasen als irgendein anderer Teil der Welt, aber es ist am stärksten vom Klimawandel bedroht. Ein sich erwärmender Planet begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten und bedeutet schrumpfende Wasservorräte und geringere Ernten und somit Bedingungen, die noch mehr Hungersnöte und Konflikte nach sich ziehen werden. Wir alle – besonders die entwickelte Welt – sind in der Pflicht, diese Entwicklungen zu verlangsamen: durch Mäßigung und dadurch, dass wir unseren Umgang mit Energie ändern. Wir können aber auch mit den Afrikanern zusammenarbeiten, um aus dieser Krise eine Chance zu machen.

Gemeinsam können wir eine Partnerschaft im Namen unseres Planeten und des Wohlstands eingehen und Ländern dabei helfen, mehr Zugang zu Energie zu bekommen – und dabei die schmutzigere Entwicklungsphase überspringen. Überlegen Sie einmal. Überall in Afrika gibt es jede Menge Wind- und Sonnenenergie, Erdwärme und Biokraftstoffe. Vom Rift Valley bis in die nordafrikanischen Wüsten, von der Westküste bis hin zu den Feldfrüchten Südafrikas – die grenzenlosen Naturgeschenke Afrikas können selbst Energie produzieren, während ertragreiche, saubere Energie ins Ausland exportiert werden kann.

Bei diesen Schritten geht es um mehr als um Wachstumszahlen in einer Bilanz. Es geht darum, ob ein junger, gebildeter Mensch eine Stelle finden kann, die es ihm erlaubt, eine Familie zu ernähren, darum, ob ein Bauer seine Waren auf einem Markt verkaufen kann, und darum, ob ein Unternehmer mit einer guten Idee ein Geschäft eröffnen kann. Es geht um die Würde der Arbeit, es geht um die Chancen, die Afrikaner im 21. Jahrhundert haben müssen.

Genauso wie die Regierungsführung für diese Chancen entscheidend ist, ist sie auch von entscheidender Bedeutung für den dritten Bereich, den ich hier ansprechen möchte: eine Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

In den vergangenen Jahren wurden in Teilen Afrikas enorme Fortschritte gemacht. Heute leben weit mehr Menschen mit HIV/AIDS ein leistungsfähiges Leben und erhalten die Medikamente, die sie benötigen. Ich habe gerade ein wunderbares Krankenhaus gesehen, das auf Müttergesundheit spezialisiert ist. Aber es sterben noch zu viele Menschen an Krankheiten, die nicht tödlich enden müssten. Wenn Kinder wegen eines Mückenstichs und Mütter während der Geburt sterben, dann wissen wir, dass hier noch mehr Fortschritte nötig sind.

Doch aufgrund von Anreizen – die häufig von Geberländern gestellt werden – verlassen viele afrikanische Ärzte den Kontinent oder arbeiten für Programme, die auf eine einzelne Krankheit spezialisiert sind. Das verursacht eine Lücke in der Grundversorgung und der Vorsorge. Unterdessen müssen Afrikaner auch selbst verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, die die Ausbreitung von Krankheiten verhindern und dabei die öffentliche Gesundheit in ihren Gemeinden und Ländern fördern.

Wir sehen also überall in Afrika Beispiele dafür, wie Menschen diese Probleme angehen. In Nigeria liefert ein glaubensübergreifendes Projekt von Christen und Muslimen ein Beispiel für eine Zusammenarbeit im Kampf gegen Malaria. Hier in Ghana und überall in Afrika sehen wir innovative Ideen zum Schließen von Lücken im Pflegebereich – beispielsweise durch E-Health-Intitiativen, die es in großen Städten niedergelassenen Ärzten erlauben, Menschen in Kleinstädten zu unterstützen.

Die Vereinigten Staaten werden diese Bemühungen durch eine umfassende, globale Gesundheitsstrategie unterstützen, denn im 21. Jahrhundert verlangen unser Gewissen und unsere gemeinsamen Interessen, dass wir handeln – denn wenn ein Kind in Accra an einer behandelbaren Krankheit stirbt, betrifft das uns alle, überall. Wenn Krankheiten in einem Winkel der Welt nicht kontrolliert werden, wissen wir, dass sie sich über Ozeane und Kontinente hinweg ausbreiten können.

Und deshalb hat meine Regierung 63 Milliarden Dollar zugesagt, um diesen Herausforderungen zu begegnen - 63 Milliarden. Aufbauend auf das große Engagement Präsident Bushs werden wir den Kampf gegen HIV/AIDS fortsetzen. Unser Ziel ist es, dem Sterben durch Malaria und Tuberkulose ein Ende zu setzen, und wir werden daran arbeiten, Polio auszurotten. Wir werden kämpfen – wir werden gegen vernachlässigte tropische Krankheiten kämpfen. Und wir werden Krankheiten nicht isoliert betrachten – wir werden in die öffentlichen Gesundheitssysteme investieren, die das Wohlergehen fördern und sich auf die Gesundheit von Müttern und Kindern konzentrieren.

Jetzt, da wir uns im Namen einer gesünderen Zukunft zusammentun, müssen wir auch die Zerstörung beenden, die nicht durch Krankheiten, sondern durch den Menschen verursacht wird – und das bringt mich zu dem letzten Punkt, den ich ansprechen möchte, den Konflikten.

Ich sage es ganz deutlich: Afrika entspricht nicht der primitiven Karikatur eines Kontinents, der sich ewig im Krieg befindet. Aber wenn wir ehrlich sind, dann sind Konflikte für viel zu viele Afrikaner ein so allgegenwärtiger Bestandteil des Lebens wie die Sonne. Es gibt Kriege um Land und Ressourcen. Und die Gewissenlosen haben es noch immer viel zu leicht, ganze Gemeinschaften zu manipulieren, sodass sie sich wegen ihres Glaubens und ihrer Stammeszugehörigkeit gegenseitig bekämpfen.

Diese Konflikte sind für Afrika wie ein Klotz am Bein. Wir alle haben viele Identitäten – Stämme und Ethnien, Religionen und Nationalitäten. Aber sich selbst als Widerpart zu jemandem zu definieren, der einem anderen Stamm angehört oder einen anderen Propheten anbetet, dafür ist im 21. Jahrhundert kein Platz. Die Vielfalt Afrikas sollte ein Kraftquell sein, keine Ursache für Spaltung. Wir sind alle Gottes Kinder. Wir alle teilen gemeinsame Wünsche – ein Leben in Frieden und Sicherheit, Zugang zu Bildung und Chancen, die Liebe zu unseren Familien, Gemeinden und unserem Glauben. Das sind unsere gemeinsamen menschlichen Werte.

Deshalb müssen wir uns gegen Unmenschlichkeit in unserer Mitte wehren. Es ist niemals gerechtfertigt und nie zu rechtfertigen, wenn Unschuldige im Namen einer Ideologie angegriffen werden. Es ist das Todesurteil einer Gesellschaft, wenn diese Kinder zwingt, in Kriegen zu töten. Es ist schwerste Schuld und Feigheit, Frauen schonungslos und systematisch zu vergewaltigen. Wir müssen Zeugnis ablegen über den Wert jedes Kindes in Darfur und die Würde jeder Frau im Kongo. Kein Glaube und keine Kultur dürfen die Verbrechen gegen sie vergeben. Und wir alle müssen nach dem Frieden und der Sicherheit streben, die für den Fortschritt notwendig sind.

Die Afrikaner erheben sich für diese Zukunft. Auch hier in Ghana sehen wir, wie Sie dabei helfen, den Weg nach vorne zu weisen. Als Ghanaer sollten Sie stolz sein auf Ihre Beiträge zu den Friedensmissionen im Kongo, Liberia und dem Libanon und auf ihre Bestrebungen, sich der Geißel des Drogenhandels zu widersetzen. Wir begrüßen die Maßnahmen, die von Organisationen wie der Afrikanischen Union und ECOWAS in die Wege geleitet werden, um Konflikte besser zu lösen, den Frieden zu erhalten und diejenigen, die in Not sind, zu unterstützen. Und wir stützen die Vision einer starken, regionalen Sicherheitsarchitektur, die wirksame, grenzübergreifende Kräfte zum Einsatz bringen kann, wenn das nötig ist.

Die Vereinigten Staaten haben die Verantwortung, mit Ihnen als Partner diese Vision voranzutreiben, nicht nur mit Worten, sondern durch Unterstützung, die afrikanische Fähigkeiten stärkt. Wenn es einen Völkermord in Darfur oder Terroristen in Somalia gibt, sind das nicht einfach nur afrikanische Probleme – es sind globale Sicherheitsrisiken, und sie erfordern globale Antworten.

Deshalb sind wir bereit, Partnerschaften in Diplomatie, technischer Hilfe und logistischer Unterstützung einzugehen, und wir werden Bemühungen unterstützen, um Kriegsverbrecher zur Verantwortung zu ziehen. Und lassen Sie mich dies deutlich sagen: Unser Afrika-Kommando konzentriert sich nicht darauf, eine Basis auf dem Kontinent zu schaffen, sondern darauf, diese gemeinsamen Herausforderungen anzugehen, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten, Afrikas und der restlichen Welt zu verbessern.

In Moskau habe ich von der Notwendigkeit eines internationalen Systems gesprochen, das die universellen Menschenrechte achtet und deren Verletzung ahndet. Das muss auch eine Verpflichtung umfassen, diejenigen, die Konflikte friedlich lösen, zu unterstützen, diejenigen, die das nicht tun, zu sanktionieren und zu stoppen und denen, die gelitten haben, zu helfen. Aber letztendlich werden es lebendige Demokratien wie Botswana und Ghana sein, die die Ursachen für Konflikte reduzieren und die Linien des Friedens und des Wohlstands erweitern werden.

Wie ich bereits gesagt habe, liegt die Zukunft Afrikas in den Händen der Afrikaner.

Die Menschen in Afrika sind bereit, diese Zukunft in die Hand zu nehmen. Und in meinem Land haben es Amerikaner afrikanischen Ursprungs – unter ihnen sehr viele Einwanderer – in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Erfolg gebracht. Wir haben es trotz einer schwierigen Vergangenheit geschafft, und wir haben Kraft aus unserem afrikanischen Erbe gezogen. Ich weiß, dass Afrikaner mit starken Institutionen und einem starken Willen in der Lage sind, in Nairobi und Lagos, in Kigali, Kinshasa, Harare und hier in Accra ihre Träume zu leben.

Wissen Sie, vor 52 Jahren blickte die ganze Welt auf Ghana. Und ein junger Prediger namens Martin Luther King reiste hierher, nach Accra, um mit anzusehen, wie die britische Nationalflagge eingeholt und die ghanaische Flagge gehisst wurde. Das war vor dem Marsch nach Washington und dem Erfolg der Bürgerrechtsbewegung in meinem Land. Dr. King wurde gefragt, wie er sich dabei fühle, Zeuge der Geburt einer Nation zu werden. Und er antwortete: "Das erneuert meinen Glauben daran, dass letztendlich die Gerechtigkeit siegt."

Jetzt muss dieser Sieg wieder einmal errungen werden, und zwar von Ihnen. Und hier meine ich besonders die jungen Menschen überall in Afrika und hier, in Ghana. In Ländern wie Ghana machen junge Leute mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus.

Und dies müssen Sie wissen: Die Welt wird immer das sein, was Sie aus ihr machen. Sie haben die Macht, Ihre Anführer zur Rechenschaft zu ziehen und Institutionen aufzubauen, die im Dienste der Menschen stehen. Sie können in Ihren Gemeinden helfen und ihre Energie und Bildung nutzen, um neuen Wohlstand und neue Verbindungen mit der Welt zu schaffen. Sie können Krankheiten besiegen, Konflikte beenden und Veränderungen von unten beginnen. Das können Sie. Ja, das können Sie, denn in diesem Moment ist die Geschichte in Bewegung.

Aber diese Dinge sind nur möglich, wenn Sie alle Verantwortung für Ihre Zukunft übernehmen. Und das wird nicht einfach sein. Es wird Zeit brauchen und Kraft kosten. Es wird Leid und Rückschläge geben. Aber eines kann ich Ihnen versprechen: Die Vereinigten Staaten werden Ihnen auf jedem Schritt dieses Weges zur Seite stehen – als Partner, als Freund. Chancen kommen allerdings nicht von ungefähr. Sie sind ein Ergebnis der Entscheidungen, die jeder Einzelne von Ihnen fällt, aus den Dingen, die Sie tun, den Hoffnungen, die Sie in Ihrem Herzen hegen.

Die Freiheit ist Ghanas Vermächtnis. Es ist nun an Ihnen, auf das Fundament der Freiheit aufzubauen. Und wenn Sie das tun, werden wir eines Tages zurückblicken auf Orte wie Accra und uns erzählen, dass das die Zeit war, als eine Hoffnung Realität wurde, der Moment, in dem Wohlstand geschaffen und Schmerz überwunden wurde und eine neue Ära des Fortschritts begann. Dies kann der Zeitpunkt sein, an dem wir erneut Zeugen eines Sieges der Gerechtigkeit werden. Ja, wir schaffen das. Vielen herzlichen Dank. Möge Gott Sie beschützen. Danke.

Übersetzung: Amerikadienst/U.S. Embassy Berlin


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